Nutella aus dem Marchfeld

Mutige Pioniere in der Landwirtschaft. Auch im Marchfeld gibt es Landwirte mit Visionen. Als Umweltmanager ist es mir besonders wichtig, Landwirte die sich frühzeitig auf die klimatischen Gegebenheiten in der kommenden Zukunft einstellen – eben Pioniere – hervorzuheben.
Sehr beeindruckt war ich dieser Tage als ich beim Deutsch-Wagramer Landwirten Christoph Böckl, mir seine naturnahen Kulturfläche mit ca. 4000 kleinen Haselnussbäumchen besichtigen konnte. Das Gespräch mit dem Fachexperten war sehr interessant.
Mit viel Engagement, Pioniergeist und Mut geht der Landwirt neue innovative Wege mit alternativen Kulturpflanzen. Seit Herbst 2015 bewirtschaftet Christoph Böckl 9 Hektar mit Haselnussbäumchen, die prächtig wachsen und gedeihen. Vieles ist noch im Erproben, aber wichtig ist ihm so naturnah wie möglich die Kulturpflanze zu ziehen.
Der Klimawandel ist in aller Munde: Die Sommer werden heißer und trockener, Regen immer weniger. Die intensive Landwirtschaft steht in der Kritik, dass zu viel Grundwasser für die Bewässerung der Felder verwendet wird. Gegen Unkräuter und Schädlinge werden Pestizide eingesetzt. Die herkömmlichen Kulturpflanzen benötigen zudem nicht unerhebliche Mengen von Kunstdüngern, damit ein vernünftiger Ertrag erwirtschaftet werden kann.
Das ist nicht nur für die Produkte, die wir alle essen nachteilig, sondern auch ein erheblicher Kostenfaktor für die Landwirte. Das führt zu existentiellen Abhängigkeiten von Großabnehmern der Ernten und zu den Lieferanten von Düngemitteln und Pflanzenschutzmittel. Nicht zu vergessen den Kreditgebern, denen die Landwirte mehr und mehr verpflichtet sind. Der Rückgang der Insekten (Bienen, Hummeln etc.), durch Pestizide bedroht ebenfalls viele Feldfrüchte.
Also was tun? Christof Böckl investiert in eine neue Bewirtschaftung Idee/Kulturanbau hier im Marchfeld. Er und sein Kollege Hans „Jonny“ Mühl versuchen neue Wege in der Landwirtschaft zu gehen. Damit diese auch in Zukunft noch überleben kann. Ich finde es großartig, dass Neues auch hier bei uns im Marchfeld ausprobiert wird damit die Landwirtschaft Zukunft hat. Warum soll man Nüsse aus der Türkei importieren, wenn wir Haselnüsse aus dem Marchfeld bekommen können.
Haselnüsse kommen mit einem trockenen Klima sehr gut zurecht. Sie müssen nicht bewässert werden, und die vielen Sonnenstunden lassen die Früchte gut reifen. Selbst wenn das Klima noch trockener und wärmer wird, sind diese Pflanzen nicht gefährdet. Hauptanbaugebiet ist nicht umsonst die Türkei.
Gegen das Unkraut wird kein Pestizid gespritzt, sondern man kann mit dem Traktor zwischen den Sträuchern maschinell dagegen vorgeben.
Natürlich Schädlingsbekämpfung:
Gegen die Feldmäuse mit denen man schon böse Erfahrungen gemacht hat, welche die Haselnüsse auch sehr lieben, wird nicht mit Gift vorgegangen, sondern mit Jägerwissen. Der Landwirt hat Pfähle für Greifvögel am Rande des Feldes aufgestellt. Damit können sich die Greifvögel niederlassen und ihre kleine Beute gut sehen können – siehe da schon im nächsten Jahr keine Mäuseplage mehr. 

Ich hab in jedem seiner Sätze sein Herzblut für dieses Projekt gespürt, er brennt und hat noch viele neue Idee. In seinem Kollegen der BIO-Landwirt Mühl Jonny aus Parbasdorf, der ebenfalls Haselnüsse als Kulturgut angebaut hat, hat er einen kongenialen Partner gefunden.
Ich wünsche den beiden Vorreitern für eine zukunftsträchtige Landwirtschaft das Allerbeste und freu mich schon jetzt auf Haselnüsse aus der REGION. Haselnüsse aus Deutsch-Wagram, für Nutella aus dem Marchfeld.

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