Die Grünen Niederösterreich

Bialowieza, ein Ausflug der mir immer in Erinnerung bleiben wird.

Wo ist Bialowieza? Bialowieza ist ein kleiner Ort mit rd. 2000 EinwohnerInnen im östlichen Teil von Polen an der Grenze zu Weißrussland, die Anreise mit teilweise öffentlichen Verkehrsmitteln ist etwas beschwerlich, aber nicht unmöglich.
Was wollte ich dort sehen? Eines der größten und letzten einzigartigen Urwaldgebiet Europas! Die noch vorhandene biologische Vielfalt von mehr als 5000 Pflanzenarten und über 11.000 Tierarten.

Der Białowieża-Urwald ist ein naturbelassenes Naturschutzgebiet auf beiden Seiten der polnisch-weißrussischen Grenze. Sowie Teile davon ein Nationalpark und Natura2000 Schutzgebiet.
Die polnische Regierung plant zwischen 2012 und 2023 rd. 188.000 m³ Holz in dem Gebiet einzuschlagen. Nach europaweiten Protesten und Klagen verfügte der Europäische Gerichtshof am 20. Juli 2017 per einstweiliger Verfügung die Fällarbeiten zu stoppen. Der Eingriff in die Ökologie sei zu massiv und nur schwer wieder gut zu machen.
Die Geländefläche beträgt über 1.500 Quadratkilometer, das ist fast 1,1/2 Mal so groß wie das gesamte Marchfeld davon befinden sich 620 Quadratkilometer auf der polnischen Seite.
Das als UNESCO-Weltnaturerbe anerkannte Gebiet umfasst auf beiden Seiten der Grenze 876 Quadratkilometer. Der weißrussische Teil steht komplett als Nationalpark unter Schutz, auf polnischer Seite ist nur ein Teil Schutzgebiet.
Als Umwelt- und überzeugte Naturschützerin wollte ich mir den letzten großen, fast unberührten, Urwald in Polen ansehen, nachdem in den Medien und auch in den social media immer wieder von teilweisen illegalen Abholzungen im Urwald gehört habe. Was ist wahr dran?
Illegal deswegen, weil vom Schutzgebiet gesprochen wird, und es als Naturschutzgebiet, Urwald besonders harte Schutzbestimmungen gibt. Dass die Regierung den Befehl zum Abholzen gab, unterstell ich mal, ist nur aus Profitgier der polnischen Regierung. 500 bis 800 Jahre alte Eichen, Fichten, Ahorne und viele andere Baumarten deren Stamm kerzengerade 30-40m majestätisch in den Himmel reichen manche uralt Fichten sogar noch viel höher sind nicht nur wunderschönes Holz, sondern auch ein Vermögen wert.
Es wurde in den letzten Jahren immer wieder Teile des Mischwaldes abgeholzt. Aber in den letzten Jahren hat die Regierung das Ausmaß verdoppelt.
Ich habe vor Ort mit engagierten Förstern, Einheimischen diskutiert und auch mit den überzeugten Waldschützern die aus vielen Teilen Europas kommen, in deren Camp gesprochen. Die Meinungen gehen auseinander. Aber eines ist inzwischen allen klar, dass das Vorgehen der polnischen Regierung in der Form nicht zu akzeptieren ist.
FAKT ist, ein derartig massiver Eingriff in die Ökologie des Waldes hat definitiv auch Auswirkungen auf das Klima. In den Naturhaushalt Fauna und Flora werden durch das groß angelegte Schlägern verändert. Kleintiere, Rotwild aber auch Wisent werden aus ihrem Habitat vertrieben. Gar nicht zu reden von dem Mikro und Makroklima das durch den Verlust so vieler gesunder Bäume negativ beeinflusst wird. Der Bagger und Harvester wird gnadenlos vieles zerstören, was Jahrhunderte in aller Ruhe wachsen konnte. Bis diese Baumriesen in dieser Menge wieder nachwachsen – vergehen, Jahrzehnte ja sogar Jahrhunderte…..und das alles nur wegen des lieben Geldes.
Die WaldschützerInnen haben ein Camp in einem nahegelegenen Dorf errichtet. Hier leben ca. 20 Menschen, die darauf achten, dass die Regierung nicht sang und klanglos den kostbaren alten Baumbestand den Schatz Polens um schneidet Das Camp bietet auch wöchentlich Führungen mit Biologen an. Diese erklären und zeigen den BesucherInnen die Problematik. Interessierte wie ich es war, gab und gibt es etliche. Die Leute im Camp waren sehr aufgeschlossen und daran sehr interessiert Informationen über den Stand der Dinge weiterzugeben. Jede/Jeder war herzlich willkommen. Das war sehr beeindruckend.
Das Argument, dass es viel Totholz gäbe, ja das stimmt, aber auch in den durch Borkenkäfer toten Kiefer-Waldabschnitten gebe es eine bessere Alternative als zu roden. Totholz kann auch wieder verrotten und es kann neues Leben daraus entstehen. Es ist eine Frage was man möchte.
Das wirklich Beeindruckendste für mich und meine Tochter dieser Tage war: Die unbeschreiblich unendliche Schönheit und majestätische Ruhe die der Wald in seiner gesamten Vielfalt und Gesamtheit ausstrahlt. Es entsteht sofort die Sehnsucht noch länger im Wald zu verweilen…..sich auszuruhen, genießen und die positive Ruhe Stimmung aufzunehmen – fernab von all dem Trubel außerhalb. Man ist in eine andere Welt versetzt. Als Besucher dieses ursprünglichen Waldes wirst du sofort verzaubert.
Das Dorf Bialowieza hat jährlich rund 200.000 BesucherInnen, die die Ruhe und die fast unzerstörte Schönheit des riesigen, naturbelassenen Waldareals genießen.

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